Die Millimetermanöver des Rodelns
Während wir hier im Studio an unserer Technik arbeiten, werfen wir ein wachsames Auge auf die Olympischen Winterspiele in Mailand. Obwohl man Rodeln vielleicht nicht direkt mit Salsa oder einer straffen Choreografie in Verbindung bringt, sehe ich als Tanzexpertin gerade diese enormen Parallelen in der Körperbeherrschung. Heute haben wir beim Rodeln der Frauen gesehen, wie gnadenlos Sport sein kann. Die Deutsche Julia Taubitz führt derzeit mit einer Gesamtzeit von 1:45,188, aber es war der Fehler ihrer Landsfrau Merle Fräbel, der das Gesprächsthema des Tages war.
In meinen 30 Jahren in der Tanzwelt habe ich es oft genug erlebt: ein Moment der Unaufmerksamkeit, ein Fuß, der nur minimal falsch steht, und die gesamte Routine ist dahin. Fräbel lag fantastisch im Rennen, aber ein schwerer Fehler beim Start ihres dritten Laufs kostete sie einen Podestplatz. Das ist die harte Realität des Spitzensports und des Spitzentanzes. Die Spannung steigt, während wir dem entscheidenden vierten Lauf entgegenfiebern, der heute Abend um 18:30 Uhr beginnt. Nach den neuesten Berichten der NOS wurde die Gruppe inzwischen auf die besten zwanzig Teilnehmerinnen reduziert.
Der 'Quad God' und kinetische Kunst auf dem Eis
Wenn wir über Tanz auf dem Eis sprechen, dann kommen wir an Ilia Malinin nicht vorbei. Dieser 21-jährige Amerikaner, der sich selbst den wenig bescheidenen Spitznamen 'Quad God' gegeben hat, tritt heute Abend im Kurzprogramm an. Bei Miss Salsa blicken wir mit Bewunderung auf seine Sprungkraft. Was er tut, ist technisch gesehen fast unmöglich: der Quad-Axel, ein Sprung mit viereinhalb Umdrehungen.
In der Praxis ist dies vergleichbar mit einem Tänzer, der eine perfekte fünffache Pirouette dreht, während er anderthalb Meter in der Luft schwebt. Malinin kombiniert diese beispielllose Kraft mit einer enormen Portion Show; er nutzt Rap-Musik und flamboyante Kostüme, um den Sport einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Es erinnert mich daran, wie wir in der Tanzwelt manchmal Traditionen brechen müssen, um relevant zu bleiben. Er wurde kürzlich überraschend Zweiter hinter dem Japaner Yuma Kagiyama, was einmal mehr beweist, dass Technik allein nicht ausreicht; Ausführung und Präsentation müssen makellos sein.
Emotionale Siege und Resilienz
Neben den technischen Höchstleistungen sind es die menschlichen Geschichten, die diesen Spielen Farbe verleihen. Der norwegische Biathlet Johan-Olav Botn gewann Gold über 20 Kilometer, eine Leistung, die tiefen Respekt einflößt. Botn verlor kürzlich seinen Teamkollegen und Freund Sivert Guttorm Bakken, den er tot in ihrem Hotelzimmer auffand. Dass er nach einem solchen Trauma zurückkommt und im Ziel zum Himmel zeigt, zeigt, dass Sport (genau wie Tanz) ein Weg ist, Trauer zu verarbeiten und Kraft zu finden.
Auch der niederländische Beitrag ist besonders, wenn auch mit einem belgischen Touch. Die 28-jährige Tineke den Dulk, geboren in Leeuwarden, gewann Bronze mit der belgischen Shorttrack-Staffel in der Mixed-Staffel. Wie auf NU.nl zu lesen ist, ist sie ein wunderbares Beispiel dafür, seinen eigenen Weg zu wählen. Sie wechselte vor Jahren in die belgische Auswahl und erntet nun die Früchte dafür, während das niederländische Team vorzeitig ausschied.
Was Tänzer von der Eisbahn lernen können
Was können wir als Tänzer aus diesem olympischen Wettkampf mitnehmen? Konkret geht es um drei Dinge: Rumpfstabilität (Core Stability), Fokus und Resilienz. Beim Rodeln sieht man, dass die kleinste Muskelspannung im Rumpf den Unterschied zwischen einer Bestzeit und einem Sturz ausmacht. Das ist beim Tanzen genau dasselbe. Ohne eine starke Körpermitte ist das Gleichgewicht weg und man verliert die Kontrolle über seine Bewegungen.
Zudem gibt es die mentale Seite. Schauen wir auf Merle Fräbel: Sie macht einen Fehler, muss aber sofort weitermachen. In einer Choreografie kann man nicht bei einem Fehltritt verweilen; die Musik läuft weiter und man muss mitziehen. Die Spiele in Mailand zeigen, dass die absolute Spitze nicht nur aus Menschen mit dem meisten Talent besteht, sondern aus denjenigen, die am besten mit dem Druck des Augenblicks umgehen können. Ob man nun mit 130 km/h auf einem Schlitten liegt oder ein Solo vor vollem Saal tanzt, die Kunst besteht darin, in diesem 'Flow' zu bleiben, ungeachtet dessen, was um einen herum passiert.