Mailand 2026: Die Magie von Yuma Kagiyama in der Ice Skating Arena
Es ist Samstag, der 7. Februar 2026, und die Atmosphäre in der Milano Ice Skating Arena ist schlichtweg elektrisierend. Während draußen die italienische Kälte die Straßen von Assago ziert, wurde es drinnen beim Kurzprogramm der gemischten Teams gerade glühend heiß. Die japanische Sensation Yuma Kagiyama hat nicht nur die Herzen des Publikums gestohlen, sondern auch die Jury mit einer Punktzahl, die sich sehen lassen kann, voll und ganz auf seine Seite gezogen: 108,67 Punkte.
Aus meiner 30-jährigen Erfahrung in der Tanzwelt blicke ich oft mit anderen Augen auf den Eiskunstlauf als der durchschnittliche Sportreporter. Während sie auf die Rotationen achten, schaue ich auf den 'Flow', die Verbindung zwischen den Schritten und die Art und Weise, wie eine Bewegung durch den Körper fließt. Was Kagiyama heute gezeigt hat, war keine sportliche Leistung; es war pure Choreografie auf höchstem Niveau. Damit besiegte er den amerikanischen Favoriten Ilia Malinin, der bei 98,00 Punkten stehen blieb. Dieses Ergebnis rückt Japan direkt in den Fokus für das Team-Gold, mit nur einem Punkt Unterschied hinter den Vereinigten Staaten.
Technik trifft Emotion: Der Einfluss von Carolina Kostner
Es ist kein Geheimnis, dass Yuma in den letzten Jahren hart an seiner künstlerischen Präsentation gearbeitet hat. Die Zusammenarbeit mit der legendären italienischen Eiskunstläuferin Carolina Kostner trägt nun offensichtlich Früchte. Bei Miss Salsa sagen wir immer, dass Technik die Basis ist, aber dass die Seele des Tanzes erst sichtbar wird, wenn man diese Technik loslassen kann. Genau das ist auf dem Eis in Mailand passiert.
Kagiyama eröffnete seine Kür mit einer lupenreinen Kombination aus einem vierfachen Toeloop und einem dreifachen Toeloop, gefolgt von einem wunderschönen vierfachen Salchow. Aber es waren nicht die Sprünge, die den größten Eindruck hinterließen. Es war seine Kniearbeit. Die Art und Weise, wie er landet und sofort wieder Geschwindigkeit erzeugt, ohne jegliche sichtbare Anstrengung, erinnert mich an die besten Salsa-Tänzer, die scheinbar mühelos über das Parkett gleiten. Kostner hat ihm beigebracht, wie er seine Emotionen über seinen Oberkörper und seine Arme bis in die letzte Reihe des Stadions projizieren kann – etwas, das wir in der Tanzwelt 'Presence' nennen.
Wer ist Yuma Kagiyama eigentlich?
Für alle, die die Karriere dieses jungen Japaners nicht genau verfolgt haben: Yuma wurde am 5. Mai 2003 in Yokohama geboren. Das Eislaufen liegt ihm buchstäblich im Blut, denn sein Vater, Masakazu Kagiyama, nahm selbst zweimal an den Olympischen Spielen teil. Nach seiner Silbermedaille in Peking 2022 und drei Silbermedaillen bei Weltmeisterschaften scheint er nun endlich den Schritt auf die oberste Stufe des Podiums zu machen.
Sein Weg war nicht ohne Hindernisse. Eine Verletzung am linken Fuß setzte ihn einen Großteil der Saison 2022-2023 außer Gefecht. Aber wie jeder erfahrene Tänzer weiß, kommt man nach einer Verletzung oft stärker zurück, weil man gezwungen ist, seine Grundlagen neu zu bewerten. Er trainiert heute in Nagoya und kombiniert die technische Präzision seines Vaters mit dem künstlerischen Flair von Kostner und der Choreografin Lori Nichol.
Was wir als Tänzer vom Eis lernen können
Manchmal fragen mich Leute, warum ich als Salsa-Experte so leidenschaftlich für den Eiskunstlauf brenne. Die Antwort ist einfach: Die Prinzipien der Bewegung sind universell. In der Praxis sieht man, dass Kagiyama sein Rhythmusgefühl nutzt, um seine Sprünge genau auf die Akzente der Musik abzustimmen. Dies ist eine Lektion für jeden Tänzer, egal ob man auf einer Bühne steht oder in einem Club.
- Musikalität: Nutze die Pausen in der Musik für deinen Ausdruck, nicht nur die harten Beats.
- Core-Stabilität: Ohne eine bärenstarke Körpermitte sind diese schnellen Rotationen unmöglich. Das gilt für einen vierfachen Sprung ebenso wie für eine mehrfache Drehung auf der Tanzfläche.
- Fokus: Trotz des enormen Drucks der Olympischen Spiele blieb Yuma vollkommen in seiner eigenen 'Blase'.
Die Veranstaltung in der Milano Ice Skating Arena ist auch organisatorisch beeindruckend. Mit einer Kapazität von fast 10.000 Zuschauern und Ticketpreisen, die für diese High-Demand-Sessions bei 450,00 € beginnen, ist klar, dass Eiskunstlauf in Italien größer denn je ist. Die Arena, auch bekannt als Unipol Forum, wurde für diesen Anlass vollständig modernisiert und bietet eine perfekte Kulisse für diese Art von Spitzensport.
Der Weg zum Einzeltitel
Dieser Auftritt im Team-Event ist nur ein Vorgeschmack auf das, was uns beim Einzelwettbewerb der Männer später in dieser Woche erwartet. Kagiyama hat bereits angekündigt, dass er für seine Kür eine speziell bearbeitete Version von 'Turandot' verwenden wird, komponiert von Christopher Tin. Dies ist eine wunderbare Hommage an die Stadt Mailand, in der diese Oper vor 100 Jahren uraufgeführt wurde.
Wir bei Miss Salsa beobachten diese Entwicklung mit großer Bewunderung. Es zeigt, dass Sport und Kultur Hand in Hand gehen. Wenn Yuma diese Form beibehält, ist er der Mann, den es zu schlagen gilt. Der Kampf mit Ilia Malinin, dem selbsternannten 'Quad God', ist nun offiziell eröffnet und verspricht, einer der Höhepunkte dieser Winterspiele zu werden.