Urheberrecht auf dem Eis: Petr Gumennik und der Musikstreit.

Musikrechte: Der unsichtbare Gegner auf dem Eis

Stellen Sie sich vor: Sie haben tausende Stunden trainiert, Ihre Choreografie bis ins kleinste Detail perfektioniert und Sie stehen am Vorabend des wichtigsten Wettkampfs Ihrer Karriere. Und dann, nur wenige Tage vor der Eröffnungsfeier, erfahren Sie, dass Ihre Musik nicht verwendet werden darf. Dies geschah kürzlich dem spanischen Eiskunstläufer Tomas-Llorenc Guarino Sabate während der Vorbereitungen auf die Olympischen Winterspiele 2026. Es ist ein Szenario, das wir in der Welt des Eiskunstlaufs immer häufiger sehen, wobei Namen wie Petr Gumennik und Sabate ungewollt zu den Gesichtern eines juristischen Minenfelds werden.

In meinen dreißig Jahren in der Tanzwelt habe ich viel Veränderung erlebt. Früher war es einfach: Wir verwendeten klassische Musik, die bereits seit Jahrzehnten gemeinfrei war. Doch seit die International Skating Union (ISU) im Jahr 2014 die Regeln lockerte und Musik mit Songtexten zuließ, ist die Büchse der Pandora geöffnet. Was wie ein Segen für den künstlerischen Ausdruck schien, entpuppt sich nun als administrativer Albtraum für Athleten, die einfach nur zu ihren Lieblingstracks performen wollen.

Der Fall Sabate und der Minions-Fluch

Tomas-Llorenc Guarino Sabate hatte seine gesamte Saison um ein Medley aus dem Film 'Minions' herum aufgebaut. Das Publikum liebte es, die Jury schätzte die Originalität, doch die Anwälte des Filmstudios sahen das anders. Obwohl Sabate dachte, die Genehmigung über offizielle Kanäle wie ClicknClear geregelt zu haben, erwiesen sich die Rechte für ein globales Ereignis wie die Olympischen Spiele als nicht lückenlos. Quelle: AP News

Das Ergebnis? Sabate musste Hals über Kopf auf die Musik vom Vorjahr zurückgreifen, wodurch er nun zweimal zu denselben Bee-Gees-Klängen laufen muss. Dies bringt die gesamte künstlerische Balance einer Saison durcheinander. Bei Miss Salsa wissen wir, wie wichtig die Verbindung zwischen Tänzer und Musik ist; wenn diese Basis wegbricht, steht man buchstäblich und im übertragenen Sinne auf dünnem Eis.

Petr Gumennik und die Rammstein-Kontroverse

Der russische Eiskunstläufer Petr Gumennik, ein großes Talent, das 2023 noch Silber bei den russischen Meisterschaften gewann, stieß auf ein ähnliches Problem, wenn auch mit einer politischen Note. Er wollte zu 'Sonne' von Rammstein laufen. Obwohl er die Choreografie bereits fertig hatte, wurde die Musik im letzten Moment verboten. In der Eiskunstlaufwelt wird dies oft mit der komplexen Rechtestruktur und der 'Sensibilität' bestimmter Künstler in spezifischen Regionen in Verbindung gebracht. Quelle: Inside The Games

Es zeigt, dass es nicht mehr nur darum geht, was schön ist oder was technisch gut zu den Sprüngen passt. Es geht darum, wer die Rechte besitzt und wer am Ende des Tages eine Rechnung schickt. Für einen Athleten wie Gumennik, der für seine kraftvolle Ausstrahlung bekannt ist, stellt das Ändern der Musik kurz vor einem Event eine enorme mentale Belastung dar.

Warum dies jetzt ein Problem ist

In der Praxis sehen wir, dass die kommerziellen Interessen von Plattenlabels und Filmstudios mit der Sportwelt kollidieren. Im Jahr 2022 wurden die US-amerikanischen Eiskunstläufer Alexa Knierim und Brandon Frazier sogar von der Band Heavy Young Heathens verklagt, weil sie deren Cover von 'House of the Rising Sun' ohne die richtigen Lizenzen verwendeten. Dies hat eine Schockwirkung in der gesamten Eiskunstlauf- und Tanzwelt ausgelöst.

Konkret bedeutet dies, dass Verbände und Athleten nun mit Datenbanken wie Songview (von ASCAP und BMI) arbeiten müssen, um zu prüfen, wer der Eigentümer eines Titels ist. Doch wie die US-Meisterin Amber Glenn zu Recht bemerkt: "Das sollte nicht mein Problem sein. Mein Job ist es, zu trainieren und Leistung zu bringen, nicht Ausstrahlungsrechte zu klären."

Was können wir daraus lernen?

Obwohl wir es in der lokalen Tanzschule nicht direkt mit den Anwälte der Minions zu tun haben, ist es auch für Turniertänzer in den Niederlanden etwas, worüber man nachdenken sollte. Ob man nun Salsa, Gesellschaftstanz oder Eiskunstlauf betreibt: Die Musiknutzung ist nicht mehr so unverbindlich wie vor dreißig Jahren.

  • Prüfen Sie die Quelle: Verwenden Sie moderne Popmusik für einen Wettbewerb, der übertragen oder gestreamt wird? Prüfen Sie, ob die Rechte über den Verband abgedeckt sind.
  • Direkte Kanäle: Einige Athleten, wie die Weltmeisterin Alysa Liu, suchen den direkten Kontakt zu Künstlern. Liu hat eine gute Beziehung zur Sängerin Laufey, wodurch sie deren Musik bedenkenlos nutzen kann.
  • Plan B: Sorgen Sie dafür, dass Sie immer eine 'sichere' Option haben, wie ein klassisches Stück oder Musik, bei der Sie sicher sind, dass die Rechte gemeinfrei sind.

Es ist schade, dass die Kreativität manchmal juristischem Papierkram weichen muss. Musik ist schließlich die Seele unseres Sports. Bei Miss Salsa werden wir diese Entwicklungen weiterhin aufmerksam verfolgen, denn egal ob auf dem Eis oder auf der Tanzfläche: Ohne den richtigen Beat verlieren wir einen Teil der Magie.

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