Eiskunstlauf Olympia 2026: Malinin dominiert mit Backflip auf dem Eis.

Die Magie von Mailand: Tanzen auf dem schmalen Grat zwischen Sport und Kunst

Die Atmosphäre in der Milano Ice Skating Arena ist in diesem Moment nichts weniger als elektrisch. Als Tänzer mit über 30 Jahren Erfahrung blicke ich mit einem ganz spezifischen Blick auf das Eiskunstlaufen während dieser Olympischen Winterspiele. Für viele ist es ein Sport aus Sprüngen und Punkten, aber für uns in der Tanzwelt ist es die ultimative Form des Ausdrucks auf einem unmöglichen Untergrund. Was wir gestern während des Kurzprogramms der Männer sahen, war nicht nur eine technische Meisterleistung, sondern auch eine Verschiebung in der Art und Weise, wie wir auf Spektakel und Regeln blicken.

Während die Welt auf den Medaillenspiegel schaut, sehe ich die Leidenschaft, die Spannung und den enormen Druck, der auf diesen Athleten lastet. Es ist eine Welt, in der der Bruchteil einer Sekunde den Unterschied zwischen Gold und einem schmerzhaften Sturz ausmacht. Das sahen wir gestern sehr deutlich bei den Favoriten, wobei der eine glänzte und der andere einen teuren Fehler büßen musste.

Ilia Malinin: Der 'Quad God' wird seinem Ruf gerecht

Der absolute Star des Abends war der 21-jährige Amerikaner Ilia Malinin. Er wird nicht ohne Grund der 'Quad God' genannt. Mit einer Punktzahl von 108,16 setzte er die Konkurrenz auf großen Abstand. Laut der Berichterstattung des NOS führte er zwei vierfache Sprünge lupenrein aus. Aber was mich als Tänzer wirklich berührte, war sein Mut, die Grenzen des Sports auszuloten.

Malinin brachte nämlich den Backflip zurück auf das olympische Eis. Jahrelang war dieser Sprung verboten und wurde als 'Zirkusunterhaltung' angesehen, die nicht in die klassische Eiskunstlaufwelt gehörte. Seit dieser Saison hat die International Skating Union (ISU) jedoch die Regeln gelockert. Obwohl der Backflip technisch gesehen keine Punkte einbringt, bewirkt er doch Wunder für die künstlerische Bewertung und die Verbindung zum Publikum. Es ist ein 'Flourish', der zeigt, dass der Sport modernisiert wird. Neben seinen Sprüngen beeindruckte er mit seinem eigenen 'Raspberry Twist', einer Bewegung, die seine technische Überlegenheit unterstreicht.

Der künstlerische Kampf mit Yuma Kagiyama

Sein größter Konkurrent, der Japaner Yuma Kagiyama, zeigte, dass Technik allein nicht alles ist. Kagiyama ist bekannt für seine fabelhafte Eislaufqualität und Musikalität. Leider machte er einen Fehler bei seinem dreifachen Axel, was ihn kostbare Punkte kostete. Dennoch liegt er mit einer Punktzahl von 103,07 immer noch in Schlagdistanz zu Malinin. Der Unterschied zwischen diesen beiden Läufern ist faszinierend: Während Malinin die Kraft und die Akrobatik sucht, bringt Kagiyama eine Raffinesse mit, die man fast nur in der klassischen Ballettwelt sieht. Es verspricht ein packendes Finale während der Kür am kommenden Freitag, den 13. Februar, zu werden.

Die Minion-Frage: Eine Lektion in Musikrechten für jeden Tänzer

Einer der meistdiskutierten Momente dieser Spiele war das Programm des Spaniers Tomas-Llorenc Guarino Sabaté. Er erschien auf dem Eis in einem gelben Shirt und einer blauen Latzhose, ganz im Stil der beliebten Minions. Obwohl er mit einer Punktzahl von 69,80 die Kür nicht erreichte, ist seine Geschichte eine wichtige Lektion für jeden in der Tanz- und Unterhaltungswelt.

Im Vorfeld der Spiele gab es nämlich große Unsicherheit, ob er seine Musik überhaupt verwenden dürfe. Universal Studios, der Inhaber der Rechte, erhob zunächst Einspruch. Erst nach einem Sturm des Protests in den sozialen Medien und einer Vermittlung über das ClicknClear-System erhielt er im allerletzten Moment die Erlaubnis. Dies ist etwas, das wir bei Miss Salsa auch oft betonen: Musikrechte sind keine Nebensache. Egal, ob man auf einer olympischen Bühne steht oder eine Choreografie für eine lokale Tanzschule erstellt, die Regelung der richtigen Lizenzen ist wichtig, um seine künstlerische Vision teilen zu können.

Warum wir die niederländische Flagge in dieser Disziplin vermissen

Es ist ein wiederkehrendes Thema in Studio Olimpico: der Erfolg von Ländern wie Italien und das Fehlen einer starken niederländischen Delegation im Eiskunstlauf. Savine Wielenga, Rekord-Nationalspielerin des niederländischen Eishockeyteams, merkte an, dass die Niederlande in vielen Wintersportarten glänzen, wir aber in den künstlerischen Disziplinen auf dem Eis oft den Anschluss verlieren. In einem Interview mit der NOS wurde dieser Mangel besprochen.

Bei Miss Salsa sehen wir, dass die Leidenschaft für Tanz in den Niederlanden enorm ist, aber die Übertragung auf das Eis erfordert eine spezifische Infrastruktur und eine frühe Spezialisierung. Dennoch sehen wir, dass Ikonen wie Jutta Leerdam den Eisschnelllauf durch ihre Ausstrahlung und Präsentation international bekannt machen. Wie Marianne Timmer bereits angab, ziehen solche Persönlichkeiten neues Publikum an und regen junge Menschen dazu an, sich ebenfalls die Schlittschuhe unterzuschnallen. Es wäre wunderbar, wenn diese Popularität letztendlich auch auf das Eiskunstlaufen durchsickern würde.

Was Tänzer von der olympischen Spitze lernen können

Wenn ich mir diese Athleten ansehe, sehe ich mehr als nur Sport. Ich sehe die Disziplin, die wir im Tanzsaal auch jeden Tag aufbringen. Es gibt ein paar konkrete Punkte, die jeder Tänzer aus diesen olympischen Leistungen ziehen kann:

  • Mentale Belastbarkeit: Schauen Sie sich Kagiyama an. Trotz eines großen Fehlers in seinem Kurzprogramm blieb er in seiner Performance und konnte den Schaden begrenzen. In der Tanzwelt geht auch manchmal etwas schief, aber die Show geht weiter.
  • Innovation innerhalb der Regeln: Malinins Backflip zeigt, dass man Traditionen herausfordern kann, ohne die Essenz seiner Kunstform zu verlieren.
  • Authentizität: Das 'Minion-Programm' von Guarino Sabaté war vielleicht technisch weniger anspruchsvoll, aber das Publikum liebte ihn, weil er etwas Einzigartiges und Persönliches darbot.

Während wir uns auf den Eistanz von morgen, Mittwoch, den 11. Februar, vorbereiten, bei dem die Paare ihrer Kreativität freien Lauf lassen, bleibt die Botschaft klar: Technik ist die Basis, aber die Leidenschaft und der Mut, über den Tellerrand hinauszuschauen, machen einen zum echten Champion. Wir behalten die Entwicklungen in Mailand genau im Auge, denn die Grenze zwischen der Eisbahn und der Tanzfläche ist in meinen Augen hauchdünn.

Zurück zum Blog

Hinterlasse einen Kommentar