USA gewinnt Gold im Eiskunstlauf: Malinin sprengt Grenzen.

Der 'Quad God' wird seinem Namen in Mailand gerecht

Die Stimmung in Mailand ist momentan elektrisch. Am zweiten Tag der Olympischen Winterspiele in Mailand und Cortina d'Ampezzo haben die Vereinigten Staaten die Goldmedaille im Teamwettbewerb im Eiskunstlauf errungen. Obwohl es ein Teamsport ist, gab es einen Mann, auf dem alle Augen gerichtet waren: Ilia Malinin. In der Tanzwelt sprechen wir oft über Technik versus Ausdruck, aber was Malinin hier auf dem Eis zeigt, grenzt an das Unmögliche. Mit einer Punktzahl von 200,03 in der Kür bewies er, warum sein Spitzname 'Quad God' mehr als verdient ist.

Malinin begann seine Kür mit einem vierfachen Flip und einem vierfachen Lutz, als wären es einfache Aufwärmübungen. In meiner 30-jährigen Erfahrung in der Tanzwelt habe ich selten einen Athleten gesehen, der eine solche Beherrschung über seine vertikale Achse hat. Die Rotationsgeschwindigkeit, die er erzeugt, ist etwas, worum ihn mancher Breakdancer oder Balletttänzer beneiden würde. Dennoch verlief es nicht makellos; bei einer Kombination berührte er das Eis. Aber die Art und Weise, wie er sich wieder fing und das Publikum mitriss, zeigt, dass er nicht nur ein Techniker ist, sondern ein echter Performer.

Die Rückkehr des verbotenen Saltos

Was die Gemüter in der Eiskunstlaufwelt wirklich beschäftigt, ist der Rückwärtssalto, den Malinin in der Schlussphase seiner Kür zeigte. Für Laien mag dies vielleicht nur wie ein spektakulärer Trick erscheinen, aber es steckt eine ganze Geschichte dahinter. Im Jahr 1976 führte der Amerikaner Terry Kubicka diesen Sprung zum ersten Mal bei den Spielen aus, woraufhin die International Skating Union (ISU) die Aktion aufgrund der Sicherheitsrisiken prompt verbot.

Ich erinnere mich noch gut an die legendäre Surya Bonaly während der Spiele in Nagano 1998. Sie hatte die Regeln satt und machte den Salto aus Protest, wobei sie auf einem Schlittschuh landete – eine Leistung, die noch schwieriger ist als die Standardlandung. Sie wurde damals von der Jury hart dafür bestraft. Dass Malinin sich nun traut, dies wieder zu tun, zeigt, dass sich der Sport verändert. Die Grenze zwischen dem, was 'künstlerisch' und was 'akrobatisch' ist, verschwimmt immer mehr. Bei Miss Salsa sehen wir dieselbe Diskussion oft in Tanzstilen wie Contemporary oder Jazz wieder, wo Akrobatik manchmal die Oberhand über die reinen Tanzschritte zu gewinnen scheint.

Erfolg für das Gastgeberland Italien und ein japanisches Silber

Während die Amerikaner auf der obersten Stufe standen, war die Freude bei den Italienern vielleicht am größten. Matteo Rizzo, ein Kind der Stadt Mailand, lief die Kür seines Lebens. Er ersetzte Daniel Grassl, und das erwies sich als Meisterzug. Mit einer Punktzahl von 179,62 riss er das Publikum von den Sitzen und sicherte dem Gastgeberland die Bronzemedaille. Es ist wunderbar zu sehen, wie ein Heimpublikum einen Tänzer oder Eiskunstläufer auf ein höheres Niveau heben kann; diese Energie ist unbezahlbar.

Japan holte Silber dank eines bärenstarken Auftritts des Debütanten Shun Sato. Obwohl Sato keine Saltos macht, ist seine Technik fast klinisch perfekt. Er kam mit 194,86 Punkten sehr nah an Malinin heran. Der Kontrast zwischen dem explosiven Malinin und dem raffinierten Sato ist genau das, was diesen Sport so fesselnd macht. Es ist der ewige Kampf zwischen Kraft und Eleganz, ein Thema, dem wir in jeder Tanzform begegnen.

Musikwahl und künstlerischer Wert auf dem Eis

Etwas, das mir als Tänzer immer auffällt, ist die Musikwahl. Der Kanadier Stephen Gogolov entschied sich für ein klassisches Thema, was sicher, aber manchmal auch etwas vorhersehbar ist. Auf der anderen Seite sahen wir die Japanerin Kaori Sakamoto zu einer Mischung aus Édith-Piaf-Chansons glänzen. Ihre Bewegungen waren fließend und elegant, genau das, was man von einer dreifachen Weltmeisterin erwartet. Sie gewann ihren Teilwettbewerb mit 148,62 Punkten und brachte Japan damit vorübergehend auf Augenhöhe mit den USA.

Die Verwendung von Chansons bringt eine gewisse Dramatik mit sich, die perfekt zu den langen Linien des Eiskunstlaufs passt. Es ist schade, dass Sakamoto ihren Rücktritt nach diesen Spielen angekündigt hat, denn ihre Fähigkeit, eine Geschichte auf dem Eis zu erzählen, ist eine Seltenheit. In der Tanzwelt sagen wir oft: „Man muss die Musik nicht nur hören, man muss die Musik sein.“ Sakamoto ist der lebende Beweis dafür.

Was wir als Tänzer von diesen Spitzensportlern lernen können

Obwohl wir bei Miss Salsa meist auf Parkettboden stehen und nicht auf dem Eis, sind die Parallelen unverkennbar. Ilia Malinins Fokus auf seine Technik, ohne die Verbindung zum Publikum zu verlieren, ist eine Lektion für jeden Tänzer. Ob man nun eine Salsa-Kombination ausführt oder einen vierfachen Axel springt, es geht um das Gleichgewicht zwischen Kontrolle und Hingabe.

Zudem ist die Belastbarkeit von Athleten wie Lindsey Vonn, die trotz schwerer Verletzungen an den Start gehen, bewundernswert. Obwohl ihr Märchen in Cortina mit einem Sturz und einem Krankenhausbesuch endete, erinnert es uns daran, wie körperlich anspruchsvoll unsere Leidenschaft sein kann. Es erfordert eiserne Disziplin und einen Körper, der bis an die Grenzen getrieben wird.

Die Spannung steigt in Mailand

Der Medaillenspiegel wird derzeit von Norwegen angeführt, dicht gefolgt von den USA. Die Niederlande stehen momentan noch bei null Medaillen, aber die Hoffnung ruht auf den 1.000 Metern der Frauen im Eisschnelllauf. Mit Jutta Leerdam in Topform und Suzanne Schulting, die schneller ist als je zuvor, scheint es nur eine Frage der Zeit zu sein, bis auch „Oranje“ auf dem Podium steht.

Für den Moment genießen wir die künstlerischen Höchstleistungen im Eiskunstlauf. Der Teamwettbewerb hat gezeigt, dass sich der Sport ständig weiterentwickelt und dass die neue Generation, angeführt von Malinin, keine Angst davor hat, die etablierte Ordnung und die alten Regeln herauszufordern. Weitere Details zu den Ergebnissen und der Stimmung in Mailand finden Sie in der Berichterstattung der NOS und De Telegraaf.

Eiskunstlauf bleibt eine der wenigen Sportarten, in denen Sportlichkeit und Kunst so eng miteinander verwobenen sind. Dass wir den Tennisspieler Novak Djokovic aufmerksam auf der Tribüne sitzen sahen, unterstreicht nur, wie breit die Wertschätzung für diese Disziplin ist. Ob man nun die Sprünge liebt oder die Choreografie, dies war ein Tag für die Geschichtsbücher.

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