Kurswechsel: Warum Tänzer alles für einen Traum hinter sich lassen.

Der Ruf des Abenteuers: Tänzer, die sich für einen Neuanfang entscheiden

Es ist ein Thema, das wir in letzter Zeit überall auftauchen sehen: Menschen, die ihr vertrautes Leben in den Niederlanden aufgeben, um anderswo einem Traum nachzujagen. Ob es sich um ein Retreat-Zentrum auf Ibiza oder einen Campingplatz in Frankreich handelt, der Drang nach Freiheit und einem Leben, das sich um Leidenschaft statt um die Uhr dreht, ist größer denn je. In den 30 Jahren, in denen ich mich in der Tanzwelt bewege, habe ich diesen Prozess oft aus nächster Nähe beobachtet. Tänzer sind von Natur aus Träumer, aber auch harte Arbeiter. Diese Kombination sorgt dafür, dass sich der Schritt ins Ausland oft weniger groß anfühlt als für jemanden mit einem Bürojob.

In der beliebten SBS6-Sendung Het Roer Om sahen wir kürzlich die Geschichte der Amsterdamer Mano und Manon. Sie gingen nach Ibiza, um dort sinnliche Retreats zu organisieren. Obwohl ihr Fokus auf Tantra, Yoga und Meditation liegt, ist die Verbindung zur Tanzwelt offensichtlich. Bei Tantra dreht sich alles um Bewegung, Berührung und darum, es zu wagen, mit dem eigenen Körper Raum einzunehmen. Das ist exakt das, was wir auch beim Salsa und Bachata tun: über Bewegung eine Verbindung zu sich selbst und dem Partner herstellen.

Die Realität hinter dem Traum auf Ibiza

Mano und Manon standen auf Ibiza jedoch vor einer großen Herausforderung. Laut einem Artikel von TVgids.nl erwies sich das Anwesen, das sie im Auge hatten, plötzlich als nicht mehr verfügbar. In der Tanzwelt nennen wir das „Improvisieren auf der Bühne“. Man hat sich eine Choreografie ausgedacht, aber die Musik springt oder der Partner macht eine andere Drehung. Dann muss man umschalten. Für Mano und Manon bedeutete dies eine fieberhafte Suche nach einer neuen Immobilie zu astronomischen Preisen. Es zeigt, dass es beim „Ruder umwerfen“ nicht nur darum geht, Zen zu werden, sondern vor allem um Durchhaltevermögen.

Dies knüpft an die Geschichte von Merel und Bas aus Zwaag an, die versuchten, ihren Traum im Ausland zu verwirklichen. In einem Interview mit dem Noordhollands Dagblad gaben sie an, dass Aufgeben in ihrem Wörterbuch schlichtweg nicht vorkommt. Das ist die Mentalität, die man auch im Tanzstudio findet. Man fällt hin, man steht auf und man übt diese Drehung so lange, bis man sie beherrscht. Merel und Bas betonen, dass man fest im Leben stehen muss, um einen Traum im Ausland zu realisieren. Das gilt für ein Unternehmen, aber ganz sicher auch für diejenigen, die ihre Leidenschaft für den Tanz professionell ins Ausland bringen wollen.

Der innere Kampf: Ballett versus Hip-Hop

Das „Ruder umwerfen“ muss nicht immer ein physischer Umzug in ein anderes Land sein. Manchmal findet die größte Veränderung darin statt, wie wir uns ausdrücken. Im Fernsehen sahen wir kürzlich Save the Last Dance 2. Die Figur Sara kämpft dort mit einem klassischen Dilemma: Entscheidet sie sich für die renommierte Ballettschule Juilliard oder folgt sie ihrem Herzen in die Hip-Hop-Szene? Dies ist eine Form des Neuanfangs, die ich oft bei jungen Talenten sehe. Der Druck der Tradition versus der Ruf der Straße und der eigenen Identität.

Aus meiner Erfahrung bei Miss Salsa sehe ich, dass sich der moderne Tänzer nicht mehr in eine Schublade stecken lässt. Wir sehen Balletttänzer, die die Sinnlichkeit des Bachata suchen, und Salsatänzer, die die Technik des Modern Jazz integrieren. Das Ruder umzuwerfen bedeutet in diesem Kontext: Es zu wagen, sich für das zu entscheiden, was einen in diesem Moment glücklich macht, ungeachtet dessen, was das Umfeld erwartet.

Was können wir daraus lernen?

Wenn man sich die Kandidaten von Het Roer Om ansieht, fallen ein paar Dinge auf, die auch für Tänzer entscheidend sind. Erstens: Vorbereitung ist alles, aber Flexibilität ist noch wichtiger. Man kann seine Tanzschuhe noch so gut eingelaufen haben, der Boden in einem ausländischen Club kann spiegelglatt sein. Das ist die Realität des Lebens.

Konkret bedeutet dies für jeden, der von einem Leben träumt, in dem Tanz oder Bewegung im Mittelpunkt stehen:

  • Kenne deine Grundlagen: Ob du ein Retreat startest oder einen neuen Tanzstil lernst, sorge dafür, dass deine Technik und dein Plan solide stehen.
  • Sei auf Rückschläge vorbereitet: Genau wie Mano und Manon auf Ibiza wirst du auf Hürden stoßen. Es geht darum, wie du diese abfängst, ohne deinen Rhythmus zu verlieren.
  • Bleib authentisch: Der Grund, warum Menschen für Tantra nach Ibiza ziehen oder für Salsa in eine Tanzschule gehen, ist das Bedürfnis nach echter Verbindung. Bleib deinem eigenen Stil treu.

Der Trend des „Sensual Retreat“

Was we nun beobachten, ist, dass Tanz nicht mehr nur als Sport oder Unterhaltung gesehen wird, sondern als Teil einer größeren „Wellness“-Bewegung. Die Retreats, die derzeit überall wie Pilze aus dem Boden schießen, kombinieren oft Bewegung mit persönlichem Wachstum. Dies ist ein logischer Schritt. Nachdem man jahrelang auf das Äußere fokussiert war – wie sieht der Tanz aus? – verschiebt sich die Aufmerksamkeit nun nach innen: Wie fühlt sich die Bewegung an?

Mano und Manon reagieren auf dieses Bedürfnis. Trotz des Stresses wegen der Mietpreise und der verlorenen Standorte bleibt ihre Mission bestehen: Menschen wieder mit ihrem Gefühl in Kontakt zu bringen. In der Tanzwelt tun wir das eigentlich schon seit Jahrzehnten. Ein guter Salsa-Abend ist im Grunde auch ein Mini-Retreat; man lässt die Alltagssorgen an der Tür zurück und ist vollkommen im Jetzt.

Meine Vision nach 30 Jahren in der Branche

Ich habe viele Menschen weggehen sehen. Einige kamen nach einem Jahr mit eingezogenem Schwanz zurück, andere bauten sich eine wunderbare Existenz in Spanien, Curaçao oder Portugal auf. Was die Erfolgsgeschichten vom Rest unterscheidet, ist nicht das Startkapital oder der Standort, sondern die Leidenschaft, die tiefer sitzt als nur der Wunsch, „schön in der Sonne zu sitzen“.

Wenn man das Ruder umwirft, um eine Tanzschule im Ausland zu eröffnen, oder wie Claudia in Österreich (bekannt aus Winter Vol Liefde) ein Retreat-Zentrum in einem Dorf mit 800 Einwohnern aufbaut, muss man bereit sein, die Einsamkeit und die harten Lektionen des Unternehmertums anzunehmen. Es ist nicht immer „Zen“ und es gibt nicht immer Applaus. Aber für jemanden, der die Disziplin eines Tänzers hat, ist die Erfolgschance um ein Vielfaches größer. Wir wissen nämlich, was es bedeutet, weiterzumachen, wenn die Füße wehtun.

Der Trend des „Ruder-Umwerfens“ wird vorerst wohl noch anhalten. Wir leben in einer Zeit, in der wir die Freiheit haben, uns neu zu erfinden. Ob das nun auf einer Tanzfläche in Amsterdam ist oder auf einem Anwesen auf Ibiza – das Wichtigste ist, dass man die Regie über die eigene Choreografie übernimmt. Und wenn sich die Musik ändert? Dann passt man seine Schritte einfach an.

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