Die Spannung in Mailand steigt zum Siedepunkt
Es ist Dienstagabend in Mailand und die Atmosphäre im Milano Speed Skating Stadium ist wirklich elektrisch. In meinen dreißig Jahren in der Tanzwelt habe ich unzählige große Finals erlebt, von den prestigeträchtigsten Ballroom-Wettbewerben in Blackpool bis hin zu intimen Theaterproduktionen, aber die Energie, die hier herrscht, ist von einer ganz anderen Größenordnung. Es gibt etwas an den Olympischen Spielen, das selbst einem erfahrenen Tänzer Gänsehaut bereitet. Es geht hier nicht nur um Geschwindigkeit; es geht um die perfekte Beherrschung des Körpers, um Rhythmus und um diesen einen Bruchteil einer Sekunde, in dem alles an seinen Platz fallen muss.
Heute ist ein Tag, auf den wir alle gewartet haben: Die Auslosung für die 1.000 Meter der Männer wurde soeben bekannt gegeben. Für die niederländischen Eisschnelllauf-Fans, und ehrlich gesagt für jeden, der Spitzensport liebt, ist dies der Moment der Wahrheit. Die Namen sind aus der Trommel gerollt und wir bereiten uns auf eine Konfrontation vor, die schon jetzt in die Geschichtsbücher einzugehen scheint.
Die Auslosung: Ein Titankampf in Lauf 14
Die Auslosung hat uns genau das gegeben, worauf wir gehofft hatten, was aber gleichzeitig auch die Nerven flattern lässt. Im vierzehnten Lauf sehen wir nämlich ein direktes Duell zwischen unserem eigenen Jenning de Boo und der US-Sensation Jordan Stolz. Es ist eine Paarung, von der man als Sportliebhaber nur träumen kann. De Boo, der junge Wilde mit dem explosiven Start, gegen Stolz, den Mann, der in den letzten Jahren auf dieser Distanz fast unschlagbar schien.
Aber es gibt noch mehr niederländische Power auf dem Eis von Mailand. Die Läufe für unsere Männer sehen wie folgt aus:
- Lauf 10: Kjeld Nuis gegen Taiyo Nonomura (Japan)
- Lauf 11: Joep Wennemars gegen Lian Ziwen (China)
- Lauf 14: Jenning de Boo gegen Jordan Stolz (Vereinigte Staaten)
Kjeld Nuis, der erfahrene Hase und immer noch eine Kraft, mit der man rechnen muss, darf schon relativ früh den Ton angeben. Joep Wennemars, der amtierende Weltmeister, startet direkt danach. Obwohl Wennemars den Weltmeistertitel in der Tasche hat, wählt er eine bescheidene Rolle. Er hat in Interviews angegeben, den Druck lieber bei Stolz zu lassen. Das ist eine Taktik, die wir in der Tanzwelt auch oft sehen: Die Außenseiterrolle einnehmen, um mit weniger Spannung die Fläche zu betreten.
Jordan Stolz und die Entscheidung für den Fokus
Es sind heute auch große Neuigkeiten über Jordan Stolz bekannt geworden. Der Amerikaner wurde von vielen als Favorit gehandelt, um den legendären Rekord von Eric Heiden aus dem Jahr 1980 einzustellen: fünf Goldmedaillen bei einer Winterolympiade. Aber sein Trainer, Bob Corby, hat bestätigt, dass Stolz definitiv nicht an der Teamverfolgung teilnehmen wird. Laut Corby wurde diese Entscheidung schon vor einiger Zeit getroffen, um den Fokus vollständig auf die Einzelstrecken zu legen.
Aus meiner Erfahrung als Tanzcoach verstehe ich diese Entscheidung vollkommen. Manchmal muss man eine Disziplin weglassen, um bei seinen Hauptzielen wirklich glänzen zu können. Stolz läuft in Mailand die 500 Meter, die 1.000 Meter, die 1.500 Meter und den Massenstart. Durch die Streichung der Teamverfolgung schützt er seine physische und mentale Energie für die Distanzen, auf denen er der absolute König ist. Es ist ein strategischer Schachzug, der zeigt, wie ernst er die Konkurrenz, einschließlich unserer niederländischen Männer, nimmt.
In einem Liveblog des NOS wurde bestätigt, dass Stolz sich jeden Tag besser fühlt. Das verspricht einiges für das Rennen von morgen.
Der 'Quad God' und die Brücke zur Tanzwelt
Während sich die Eisschnellläufer auf ihren Kilometer vorbereiten, steht heute Abend noch ein weiteres Spektakel auf dem Programm in Mailand, das mein Herz höher schlagen lässt. Ilia Malinin, auch bekannt als der 'Quad God', tritt im Kurzprogramm des Eiskunstlaufs an. Wenn man von der ultimativen Verschmelzung von Sport und Tanz spricht, spricht man von Malinin.
Dieser Junge hat die Beinmuskulatur eines Pferdes und die Eleganz eines Ballett-Tänzers. Er ist der Erste, der den vierfachen Axel landete, und er bringt eine Art Bravour auf das Eis, die wir selten sehen. Er kombiniert technische Höchstleistungen mit einer theatralischen Präsentation, einschließlich seines berühmten 'Backflips' und extravaganter Kostüme. Für mich als Tanzexperten ist es faszinierend zu sehen, wie er den Gesetzen der Physik trotzt. Es erinnert mich daran, dass, egal ob man auf einer Eisbahn oder auf einem Holztanzboden steht, die Basis dieselbe ist: Core-Stabilität, Timing und der Mut, sich vollkommen hinzugeben.
Was wir als Tänzer von den 1000 Metern lernen können
Sie fragen sich vielleicht, was 1.000 Meter Eisschnelllauf mit Salsa oder Ballroom zu tun haben. Eigentlich sehr viel. Die 1.000 Meter werden oft als die 'Königsdisziplin' bezeichnet, weil sie die perfekte Balance zwischen der reinen Explosivität eines Sprinters und dem Durchhaltevermögen eines Langstrecklers erfordern. In der Tanzwelt nennen wir das Dynamik.
Schauen Sie morgen mal genau auf den Start von Jenning de Boo. Diese ersten hundert Meter sind wie der Auftakt einer kraftvollen Choreografie. Wenn der Start nicht gut ist, läuft man den Rest des Rennens der Musik hinterher. Aber danach kommt es auf den 'Flow' an. Man muss seine Geschwindigkeit beibehalten, ohne dass die Übersäuerung in den Beinen die Technik zerstört. Das ist genau das, was wir in einer intensiven Wettbewerbsrunde tun: Man muss weiter lächeln und seine Linien straff halten, während die Lungen brennen.
Konkret können wir uns die Technik von Kjeld Nuis ansehen. Er läuft mit einem Rhythmus, der fast musikalisch ist. Jeder Stoß sitzt, jede Bewegung ist funktional. Es gibt keine verschwendete Energie. Das ist die Effizienz, auf die wir im Tanzunterricht auch immer pochen. Nicht härter arbeiten, sondern klüger bewegen.
Der Weg zum Gold
Morgen um 18:30 Uhr geht es im Milano Speed Skating Stadium los. Die niederländischen Männer haben mit Stolz eine harte Nuss zu knacken, aber mit dem Weltmeister Wennemars, dem erfahrenen Nuis und dem entfesselten De Boo haben wir drei Eisen im Feuer, die alle um eine Medaille mitkämpfen können. Die Tatsache, dass De Boo direkt gegen Stolz läuft, kann zu seinem Vorteil sein; er kann sich an der Geschwindigkeit des Amerikaners hochziehen und in der letzten Kurve hoffentlich noch etwas Extra-Power mobilisieren.
Ich werde auf jeden Fall vor dem Fernseher sitzen. Nicht nur, um unsere Landsleute anzufeuern, sondern auch, um die reine athletische Schönheit dieses Sports zu genießen. Denn egal ob auf Kufen oder in Tanzschuhen, die Leidenschaft für Bewegung ist das, was uns verbindet.
Wer die vollständigen Details der Läufe und der Vorbereitungen verfolgen möchte, kann dies im Live-Bericht von NU.nl tun.