Drama auf dem Eis: Der Sturz des 'Quad God'
Mailand bebt, aber die Atmosphäre in der Milano Ice Skating Arena war gestern Abend zum Schneiden gespannt. Als jemand, der seit dreißig Jahren in der Tanzwelt tätig ist, weiß ich, dass die Grenze zwischen Triumph und Tragödie hauchdünn ist. Das sahen wir gestern Abend schmerzlich deutlich bei Ilia Malinin. Der amerikanische Topfavorit, auch 'Quad God' genannt, belegte einen schockierenden achten Platz. Er wollte mit seinem vierfachen Axel Geschichte schreiben — ein Sprung, der als fast unmöglich gilt — doch der Druck der olympischen Bühne erwies sich als zu groß. Malinin stürzte zweimal und leistete sich Fehler, die wir von ihm schlichtweg nicht gewohnt sind.
Während der Weltstar wankte, nutzte Michail Schaidorow aus Kasachstan seinen Moment. Mit einer fabelhaften Punktzahl von 291,58 Punkten holte er Gold. Es ist das erste Mal, dass Kasachstan Gold im Eiskunstlauf bei den Winterspielen gewinnt. Schaidorow war technisch bärenstark und stand nicht weniger als fünf Vierfachsprünge. In einem Bericht der NOS ist zu lesen, wie schwer es alle Top-Athleten hatten, was die Leistung von Schaidorow nur noch beeindruckender macht.
Die Kraft des Ausdrucks: Die Geschichte von Maxim Naumov
Was mich als Tanzexperte jedoch am meisten berührte, war der Auftritt von Maxim Naumov. Für einen Tänzer ist die Bühne oft ein Ort, um Emotionen zu verarbeiten, und genau das tat Naumov. Letztes Jahr verlor er beide Eltern bei einem tragischen Flugzeugabsturz. Seine Eltern waren selbst Weltmeister im Eiskunstlauf, und gestern Abend trat er buchstäblich in ihre Fußstapfen. Obwohl er den zwanzigsten Platz belegte, war seine Kür ein Tribut, das niemanden unberührt ließ. Nach seinem Auftritt hielt er ein Kinderfoto von sich und seinen Eltern hoch. Hier geht Sport in Kunst über; es geht nicht nur um die Punkte, sondern um die Geschichte, die man erzählt.
Der 'Vokuhila-Trend' von Jorrit Bergsma erobert Italien
Neben der künstlerischen Gewalt auf dem Eis sehen wir in der Eisschnelllaufwelt einen Trend, den ich als Modeliebhaber nicht unbemerkt lassen kann. Unser eigener Jorrit Bergsma hat nicht nur Bronze über 10.000 Meter gewonnen, sondern auch einen wahren Haartrend in Mailand ausgelöst. Sein 'Vokuhila' (der Mullet) ist das Gespräch des Tages. In Friesland wurde er bereits von 'De Matties' unterstützt, einer Gruppe von Freunden aus seinem Dorf Aldeboarn, die mit künstlichen Vokuhilas auf der Tribüne sitzen, aber inzwischen scheint ganz Mailand überzeugt zu sein.
Laut einem Bericht von Omrop Fryslân finden Reporter in Mailand heraus, ob die italienische Modehauptstadt diese Frisur nun massenhaft übernehmen wird. Es ist faszinierend zu sehen, wie ein 40-jähriger Athlet — der Nestor des Teams — mit einem so markanten Look erscheint. Bei Miss Salsa sagen wir immer: Präsentation ist die halbe Miete. Ob man nun eine Salsa-Routine tanzt oder 10 Kilometer Eisschnelllauf läuft, die Ausstrahlung bestimmt, wie das Publikum einen in Erinnerung behält. Bergsma hat mit seiner Bronzemedaille und seinem Vokuhila in Sachen Popularität Gold in den Händen.
Was steht in den kommenden Tagen auf dem Programm?
Die Spiele sind noch lange nicht vorbei und der Zeitplan für die kommenden Tage ist randvoll mit Höhepunkten. Für Liebhaber von Geschwindigkeit und Technik sind dies die Momente, um vor dem Fernseher zu sitzen:
- Sonntag, 15. Februar (heute): Das Eiskunstlaufen geht mit dem Kurzprogramm der Paare weiter. Wir freuen uns auf Michel Tsiba und Daria Danilova (ab 19:45 Uhr).
- Montag, 16. Februar: Die Entscheidung bei den Paaren mit der Kür.
- Dienstag, 17. Februar: Die Damen beginnen mit ihrem Kurzprogramm.
- Mittwoch, 18. Februar: Shorttrack-Action mit Jens van 't Wout, der seine zweite Goldmedaille jagt.
- Donnerstag, 19. Februar: Das Finale im Eiskunstlauf der Damen.
- Samstag, 21. Februar: Der Massenstart im Eisschnelllauf, bei dem Bergsma zweifellos wieder seinen Vokuhila wehen lassen wird.
Lektionen aus Mailand für die Tanzfläche
Was können wir als Tänzer aus diesem olympischen Kampf lernen? Erstens: Belastbarkeit. Man sehe sich Nika Egadze an, den georgischen Eiskunstläufer, der unter der umstrittenen Trainerin Eteri Tutberidse trainiert. Die Trainingsmethoden dort werden oft als 'militärisch' beschrieben. Obwohl wir in der Tanzwelt eher an Leidenschaft und Flow glauben, zeigt es doch, dass Disziplin die Basis jeder Höchstleistung ist. Ohne Technik hat man kein Fundament für seine Kunst.
Zweitens: Die Kraft der Gemeinschaft. Maxim Naumov gab an, dass er ohne die Unterstützung der Eiskunstlaufwelt nie wieder das Eis betreten hätte. Das kenne ich aus unseren eigenen Tanzschulen. Die Gruppe hilft einem über tote Punkte hinweg. Ob man nun für einen vierfachen Lutz trainiert oder für den ersten Salsa-Auftritt, die Menschen um einen herum machen den Unterschied.
In den kommenden Tagen werden wir die Ereignisse in Mailand weiterhin genau verfolgen. Die Kombination aus roher Gewalt auf der Eisschnelllaufbahn und der raffinierten Eleganz auf der Eiskunstlaufbahn bleibt eine Quelle der Inspiration. Und wer weiß, vielleicht sehe ich bald die ersten Tänzer mit einem Bergsma-Vokuhila im Studio erscheinen. In der Mode und im Sport ist schließlich alles möglich.