Die Olympischen Winterspiele 2026 in Mailand und Cortina d’Ampezzo sind in vollem Gange und ehrlich gesagt blicke ich als Tänzerin mit mehr als 30 Jahren Erfahrung mit ganz anderen Augen auf diese Ereignisse als der durchschnittliche Sportfan. Für mich ist Eiskunstlauf pures Ballett auf dem Eis und selbst bei einer Sportart wie Rodeln sehe ich die Choreografie der Ideallinie. In diesem Jahr gibt es jedoch etwas Besonderes: Die Grenze zwischen Spitzensport und purem Entertainment verschwimmt auf eine Weise, wie wir sie auf diesem Niveau selten sehen.
Gelbes Spektakel auf dem Eis: Der Minions-Auftritt
Der meistdiskutierte Moment der vergangenen Tage war zweifellos der Auftritt des spanischen Eiskunstläufers Tomàs-Llorenç Guarino Sabaté. Während die meisten Athleten sich für dramatische klassische Musik oder Filmmusiken entscheiden, erschien Sabaté in einem leuchtend gelben Shirt und einem blauen Overall auf dem Eis. Ja, Sie haben richtig gelesen: ein Minion bei den Olympischen Spielen. Das ist genau das, was ich in der Entertainment-Welt liebe: der Mut, ausgetretene Pfade zu verlassen.
Seine Kür zu einem Medley aus Minions-Musik, darunter das ansteckende „Papaya“, brachte eine Energie in die Milano Ice Skating Arena, die wir normalerweise nur bei einem gut besuchten Tanzfestival erleben. Laut den Kindernachrichten war es einer der auffälligsten Momente dieser Spiele. Obwohl er am 10. Februar 2026 mit einer Punktzahl von 69,80 knapp nicht genug Punkte für die Kür erreichte, hat er die Herzen des Publikums im Sturm erobert. Das ist eine Lektion, die ich meinen Schülern bei Miss Salsa auch immer mitgebe: Technik ist die Basis, aber deine Performance bestimmt, ob die Leute dich in Erinnerung behalten.
Der Kampf um die Musikrechte
Was viele nicht wissen: Dieser Auftritt wäre fast nicht zustande gekommen. Hinter den Kulissen gab es einen ordentlichen Streit um die Urheberrechte. Universal Pictures wollte zunächst keine Genehmigung für die Verwendung der Musik auf der olympischen Bühne erteilen. Sabaté ließ das nicht auf sich sitzen und startte eine Kampagne in den sozialen Medien. Mit Hilfe von niemand geringerem als Pharrell Williams (dem Mann hinter der Musik der Filme) wurde im letzten Moment doch noch eine Einigung erzielt. In der Tanzwelt stoßen wir auch oft darauf; Musikrechte können deine Kreativität fördern oder behindern. Es zeigt, dass man als Künstler – denn das sind diese Eiskunstläufer – auch geschäftlich seinen Mann stehen muss.
Rodeln in Cortina: Tanzen mit 140 km/h
Während die Minions in Mailand die Show stahlen, wurde in Cortina d’Ampezzo im Eiskanal auf Messers Schneide gekämpft. Für einen Laien mag Rodeln wie „einfach nur schnell nach unten fahren“ aussehen, aber aus meiner Erfahrung in der Tanzwelt sehe ich die enorme körperliche Beherrschung, die dafür nötig ist. Genau wie bei einer präzisen Salsa-Kombination geht es beim Rodeln um Mikrobewegungen. Eine falsche Spannung im Nacken oder in den Beinen, und man verliert kostbare Hundertstelsekunden.
Der Deutsche Max Langenhan zeigte am 7. und 8. Februar 2026, was absolute Perfektion ist. Er dominierte die Bahn im Cortina Sliding Centre und holte Gold mit vier aufeinanderfolgenden Bahnrekorden. Die Silbermedaille ging an den Österreicher Jonas Müller, und der Italiener Dominik Fischnaller durfte vor heimischem Publikum die Bronzemedaille entgegennehmen. In einem Live-Bericht von NU.nl wurde der Kampf als einer der intensivsten dieses Turniers beschrieben.
Der Flow und die Technik
Langenhan läuft – oder rodelt eigentlich – mit einer Art „Flow“, den ich von den besten Turniertänzern der Welt kenne. Es sieht mühelos aus, aber der Druck auf seinen Körper ist gigantisch. Die Fliehkraft in den Kurven erfordert eine Rumpfstabilität, um die ihn manch ein Tänzer beneiden würde. Es ist faszinierend zu sehen, wie diese Athleten ihren Körper als Verlängerung ihres Schlittens benutzen, genau wie wir unsere Tanzschuhe als Verlängerung unserer Füße betrachten.
Was können wir als Tänzer von diesen Spielen lernen?
Wenn ich mir diese Bilder ansehe, ziehe ich sofort Parallelen zur Tanzfläche. Konkret gibt es drei Dinge, die wir aus dieser olympischen Woche mitnehmen können:
- Authentizität gewinnt immer: Sabaté hat sich vielleicht nicht für das Finale qualifiziert, aber er ist der meistdiskutierte Athlet der Woche. Trau dich, in deiner Choreografie du selbst zu sein, auch wenn das bedeutet, einmal eine „verrückte“ Seite von dir zu zeigen.
- Die Kraft der Vorbereitung: Die Rodler trainieren jahrelang für diese eine perfekte Linie. Im Tanzstudio fühlt es sich manchmal repetitiv an, diese eine Drehung hundertmal zu üben, aber genau das macht den Unterschied zwischen gut und Gold aus.
- Respekt vor der Musik: Der Kampf um die Minions-Musik erinnert uns daran, wie wichtig der richtige Track ist. Musik ist nicht nur Hintergrundgeräusch; sie ist die Seele deiner Performance.
Bei Miss Salsa erleben wir oft, dass Tänzer Angst davor haben, vor Publikum Fehler zu machen. Aber schauen Sie sich den spanischen Minion an: Er machte bei seinem ersten Sprung einen kleinen Fehler, fing sich aber mit einem Lächeln und einer Faust in der Luft wieder auf. Das ist der Spirit, den wir brauchen. Ob man nun auf dem Eis steht, in einem Eiskanal liegt oder auf der Tanzfläche glänzt – es geht um die Verbindung zur eigenen Leidenschaft.
In den kommenden Tagen stehen noch viele schöne Wettbewerbe auf dem Programm, darunter die Entscheidung im Eiskunstlauf der Frauen und die Teamstaffel im Rodeln. Ich werde es auf jeden Fall weiter verfolgen, denn jedes Mal, wenn sich ein Athlet mit dieser Kombination aus Kraft und Eleganz bewegt, spüre ich das gleiche Kribbeln wie wenn die ersten Töne eines Salsa-Songs aus den Lautsprechern dröhnen. Es ist einfach Spitzensport, egal ob auf Eis oder auf Parkett.