Eislaufen morgen: Goldfieber und künstlerischer Flow in Mailand.

Lachen und Tränen im Milano Speed Skating Stadium

Das Eis in Mailand bebt noch immer von den Emotionen der vergangenen Stunden. Als alter Hase in der Tanzwelt weiß ich wie kein anderer, dass die Grenze zwischen Triumph und Tragödie hauchdünn ist. Heute haben wir das auf die roheste Weise während der 1.000 Meter der Männer gesehen. Joep Wennemars, der mit so viel Leidenschaft an den Start ging, sah seinen olympischen Traum durch eine dramatische Kreuzung mit dem Chinesen Ziwen Lian in Trümmer gehen. Es schmerzt das Sportherz, besonders wenn man die Bilder seiner Familie und Freundin Suzanne Schulting auf der Tribüne sieht. Diese Machtlosigkeit ist für jeden erkennbar, der schon einmal auf einer großen Bühne gestanden hat; man trainiert jahrelang für diesen einen Moment, und dann wird er einem durch einen externen Faktor genommen.

Glücklicherweise gab es auch das Lachen von Jenning de Boo. Obwohl er das Gold dem Phänomen Jordan Stolz überlassen musste, ist seine Silbermedaille eine Leistung von Weltformat. Und seien wir ehrlich: Die Geschichte hinter seinem Rennen ist reif für die Geschichtsbücher. Stunden vor dem Start herrschte totale Panik, weil der junge Groninger seine Schlittschuhe verloren hatte. Sie lagen anscheinend noch im Shuttlebus. Es charakterisiert das Chaos und die Entspannung von De Boo, der von Teamkollege Kjeld Nuis scherzhaft als „Debiler“ bezeichnet wurde. In der Tanzwelt nennen wir das „Lampenfieber“ – manchmal ist man so auf die Choreografie konzentriert, dass man seine Schuhe vergisst. Dass er unter diesem Druck dennoch zu Silber fuhr, zeugt von einer eisernen mentalen Stärke.

Die Kunst des Eistanzen: Cizeron und Fournier Beaudry auf einsamer Höhe

Aus meiner 30-jährigen Erfahrung bei Miss Salsa blicke ich natürlich mit einem besonderen Auge auf das Eiskunstlaufen und speziell das Eistanzen. Was Guillaume Cizeron und Laurence Fournier Beaudry heute Abend zeigten, war pure Poesie. Die Art und Weise, wie sie ihren „Kürtanz“ ausführten, mit einer Punktzahl von 135,64, war technisch nahezu perfekt, aber es war der künstlerische Ausdruck, der den Unterschied machte. Cizeron verteidigt damit seinen Titel, diesmal mit einer neuen Partnerin, was in der Welt des Paartanzes eine enorme Herausforderung ist. Der Aufbau dieser spezifischen Chemie und des „Flows“ dauert normalerweise Jahre.

Silber ging an das amerikanische Paar Madison Chock und Evan Bates. Obwohl sie technisch eisenstark waren, fehlte ihnen gerade jener ungreifbare künstlerische „Edge“, den die Franzosen hatten. Das kanadische Duo Piper Gilles und Paul Poirier holte Bronze mit einer emotionalen Hommage an Vincent van Gogh. Das ist genau dort, wo Sport und Kunst aufeinandertreffen: das Erzählen einer Geschichte ohne Worte, nur durch Bewegung und Rhythmus. Das Publikum in Mailand, einschließlich Legenden wie Eric Heiden und sogar Rapper Snoop Dogg, saß gespannt auf seinen Plätzen. Das ist die Kraft eines Top-Auftritts, egal ob auf der Tanzfläche oder auf dem Eis.

Eisschnelllauf morgen: Medaillenchancen über 5.000 Meter und Shorttrack

Wir richten den Blick nun auf morgen, Samstag, den 14. Februar. Es verspricht ein aufregender Tag in Mailand zu werden. Schon früh am Morgen kommt Glenn de Blois bei den Qualifikationen des Snowboardcross zum Einsatz, aber das echte Eislauffieber beginnt am Nachmittag. Ab 16:30 Uhr sind Merel Conijn und Bente Kerkhoff über 5.000 Meter an der Reihe. Die 5 Kilometer sind eine Distanz mit langen Linien und einem unerbittlichen Rhythmus. Es ist ein Ausdauerkampf, bei dem der Rhythmus der Stöße entscheidend ist – vergleichbar mit einer langen, intensiven Mambo-Session, bei der man seine Energie perfekt einteilen muss, um nicht vorzeitig „am Ende“ zu sein.

Der absolute Höhepunkt des Tages findet jedoch am Abend in der Shorttrack-Arena statt. Hier gehen Xandra Velzeboer und Jens van 't Wout auf Goldjagd. Shorttrack ist die explosivste Form des Eislaufens; es ist staccato, unvorhersehbar und erfordert ein Reaktionsvermögen, das wir auch bei den schnellsten Latin-Tänzen sehen. Eine falsche Bewegung, einen Sekundenbruchteil zu spät eingelenkt, und die Chance ist vertan. Velzeboer und Van 't Wout sind in der Form ihres Lebens und die großen Favoriten auf den Olympiasieg. Dies sind die Momente, für die man zu Hause bleibt oder die Live-Blogs genau verfolgt.

Was Tänzer vom olympischen Flow lernen können

Wenn ich mir die Leistungen von Eisläufern wie Jenning de Boo oder die Finesse der Eistänzer ansehe, sehe ich sofort die Parallelen zu unserer eigenen Leidenschaft. In der Praxis geht es um drei Dinge: Technik, Fokus und den Mut, loszulassen. De Boo hatte sein Material verloren, aber er ließ die Panik nicht in seinen Kopf. Er vertraute auf sein jahrelanges Training. Das ist eine Lektion für jeden Tänzer, der schon einmal während einer komplizierten Routine blockiert hat: Vertraue auf dein Muskelgedächtnis.

Zudem ist die Interaktion zwischen Partnern, wie wir sie beim Eistanzen gesehen haben, wichtig. Es geht nicht nur um die Schritte, sondern um die Verbindung. Wenn Cizeron und Fournier Beaudry über das Eis schweben, sieht man keine zwei Individuen, sondern einen einzigen bewegten Organismus. Das ist das ultimative Ziel des Paartanzes. Ob man nun auf Schlittschuhen oder in Tanzschuhen steht, der „Flow“ ist derselbe. Es geht darum, diesen Punkt zu finden, an dem die Technik von selbst läuft und die Emotion übernimmt.

Morgen werden wir sehen, ob die niederländische Delegation diesen Flow halten kann. Mit den 5.000 Metern und den Shorttrack-Finals auf dem Programm steht uns ein Tag voller Spannung bevor. Ich werde es auf jeden Fall aufmerksam verfolgen, denn die Leidenschaft, die diese Athleten ausstrahlen, ist der Treibstoff für jeden, der Bewegung liebt.

Quelle: NOS
Quelle: NU.nl

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