Kaori Sakamoto glänzt bei den Winterspielen 2026 in Mailand.

Sakamoto Kaori gibt den Ton in Mailand an

Der Anfang in Mailand ist gemacht. Am ersten Tag des Eiskunstlauf-Teamwettbewerbs bei den Olympischen Winterspielen 2026 hat die Japanerin Kaori Sakamoto sofort gezeigt, warum sie zur absoluten Weltspitze gehört. Mit einer Punktzahl von 78,88 Punkten in ihrem Kurzprogramm setzte sie die Konkurrenz unter Druck und hob das japanische Team im Alleingang vom sechsten auf den zweiten Platz in der Zwischenwertung. Wenn ich sie ansehe, sehe ich nicht nur eine Athletin, sondern eine Tänzerin, die den Gesetzen der Schwerkraft mit einer Geschmeidigkeit trotzt, von der wir in der Salsa-Welt nur träumen können.

Es ist ein besonderer Moment für die Welt des Eiskunstlaufs. Sakamoto hat angekündigt, dass dies ihre letzten Olympischen Spiele sind, und dieses Wissen verleiht ihrem Auftritt eine zusätzliche emotionale Note. In einem Interview mit Olympics.com gab sie an, dass sie sich nach ihrem Kurzprogramm vor allem erleichtert fühlte. Keine geballten Fäuste, sondern pure Entladung. Das kenne ich nur zu gut aus meiner 30-jährigen Erfahrung in der Tanzwelt: dieser enorme Druck, der von den Schultern fällt, sobald die Musik stoppt und man weiß, dass man das geleistet hat, was man zeigen wollte.

Der Kampf zwischen Japan und den Vereinigten Staaten

Im Moment trennen nur zwei Punkte die Vereinigten Staaten und Japan. Die Amerikaner liegen in Führung, unter anderem dank einer starken Leistung von Alysa Liu. Liu, die nach einem vorzeitigen Rücktritt ihr Comeback gab, erzielte 74,90 Punkte. Obwohl sie bei der Landung ihrer Dreifach-Lutz-Dreifach-Rittberger-Kombination einen kleinen Fehler machte, sprühte die Leidenschaft förmlich vom Eis. Es ist interessant zu sehen, wie diese zwei unterschiedlichen Stile einander gegenüberstehen: die kraftvollen, fließenden Bewegungen von Sakamoto gegen die expressive und technische Präzision von Liu.

Auch das Gastgeberland Italien ließ von sich hören. Lara Naki Gutmann lief auf heimischem Eis wie entfesselt und erzielte mit 71,62 Punkten eine persönliche Bestleistung. Das Publikum in Mailand flippte völlig aus, und genau das ist die Energie, die diesen Sport so schön macht. Es erinnert mich an die großen Tanzkongresse, bei denen die Atmosphäre im Saal die Tänzer auf ein höheres Niveau hebt.

Technische Analyse: Die Kraft des Flows

Wenn wir Sakamoto technisch betrachten, fällt eines sofort auf: ihr „Flow“ über das Eis. In der Tanzwelt sprechen wir oft über Gewichtsverlagerung und die Nutzung des Bodens. Sakamoto macht dies auf dem Eis auf eine Weise, die fast hypnotisierend ist. Trotz einer kleinen Unsauberkeit beim Absprung zum Dreifach-Lutz – die Jury notierte eine „falsche Kante“ (wrong edge) – waren ihre Pirouetten und ihre Beinarbeit auf allerhöchstem Niveau (Level 4).

Was Sakamoto von vielen anderen Läuferinnen unterscheidet, ist die Geschwindigkeit, mit der sie ihre Sprünge anfährt und verlässt. Es gibt keinen Moment des Stockens. Das ist etwas, wovon jeder Tänzer lernen kann. Ob man nun einen dreifachen Axel auf dem Eis dreht oder eine komplexe Spin-Serie auf der Tanzfläche ausführt, die Vorbereitung muss unsichtbar sein. Es geht um die Kontinuität der Bewegung. Bei Sakamoto sieht man keine Vorbereitung, man sieht nur das Ergebnis jahrelangen, knallharten Trainings.

Was wir als Tänzer von Kaori Sakamoto lernen können

Eiskunstlauf auf diesem Niveau zu sehen, ist für mich immer eine Inspirationsquelle. Es gibt ein paar spezifische Dinge, die Sakamoto tut, von denen wir im Tanzstudio wirklich profitieren können:

  • Mentaler Fokus: Sakamoto gab an, dass sie nervös war, aber nicht so sehr, dass ihre Beine zitterten. Sie verstand es, ihre Nervosität in Fokus umzuwandeln. Das ist der Schlüssel für jeden Auftritt: das Adrenalin nutzen, anstatt davon gelähmt zu werden.
  • Rumpfstabilität (Core Stability): Die Kraft, die nötig ist, um nach einem Sprung makellos weiterzugleiten, kommt vollständig aus der Körpermitte. Im Salsa nutzen wir dieselbe Kraft für unser Gleichgewicht bei schnellen Drehungen.
  • Künstlerischer Ausdruck unter Druck: Trotz der enormen technischen Anforderungen ihres Kurzprogramms hält sie stets den Kontakt zur Musik. Sie „läuft“ nicht nur ihre Elemente, sie erzählt eine Geschichte.

Der Weg ins Finale

Mit Japan auf dem zweiten Platz und den Vereinigten Staaten auf Platz eins verspricht der Rest des Team-Events spannend zu werden. Auch Georgien und Kanada haben noch Chancen, ins Finale einzuziehen. Für Sakamoto ist das Ziel klar: Sie möchte Japan zu Gold führen, bevor sie ihre Schlittschuhe endgültig an den Nagel hängt. Sie hat sich in Mailand die Zeit genommen, sich an das Eis zu gewöhnen, und fühlt sich von Tag zu Tag wohler.

Das Schöne an diesem Sport ist, dass der Team-Aspekt eine zusätzliche Dimension verleiht. Eiskunstlauf ist oft ein einsamer Sport, aber in diesem Format kämpfen sie füreinander. Man sieht die Teamkollegen am Rand stehen, jubeln und mitfiebern. Dieses Gruppengefühl ist etwas, das wir in der Tanzwelt natürlich sehr gut von den Showteams und Formationen kennen.

Ich werde die Geschehnisse in Mailand weiterhin genau verfolgen. Die Kombination aus Spitzensport und künstlerischem Anspruch fasziniert mich weiterhin, und Kaori Sakamoto ist derzeit die Verkörperung dieser Kombination. Ob sie nun mit Gold nach Hause geht oder nicht, ihr Vermächtnis in diesem Sport ist schon jetzt unauslöschlich. Ihre Fähigkeit, Kraft mit einer fast zerbrechlichen Eleganz zu verbinden, ist etwas, das ich noch oft als Beispiel in meinem eigenen Unterricht verwenden werde.

In den kommenden Tagen wird sich zeigen, ob die Vereinigten Staaten ihren Vorsprung halten können oder ob Sakamotos Japan die Führung übernimmt. Eines ist sicher: Das Niveau ist in diesem Jahr beispiellos hoch, und wir werden noch viel Schönes auf dem Eis von Mailand sehen.

Zurück zum Blog

Hinterlasse einen Kommentar