Olympische Spannung: Rhythmus auf den 10 km und Drama auf dem Eis.

Der Rhythmus des langen Atems auf dem Eis

Während ich mir die Bilder des 10.000-Meter-Eisschnelllaufens ansehe, sehe ich mehr als nur Spitzensport. Ich sehe eine Choreografie der Ausdauer. In meinen dreißig Jahren in der Tanzwelt habe ich oft genug betont, dass es beim Tanzen nicht nur um die Schritte geht, sondern darum, einen Rhythmus zu halten. Genau das geschah auf dem Eis in Mailand. Der Tscheche Jílek holte Gold, aber mein Herz machte einen Sprung für Jorrit Bergsma, der sich Bronze sicherte. Für einen Mann seines Kalibers, der schon so lange dabei ist, ist dies eine Leistung, die von eiserner Disziplin zeugt.

In Aldeboarn stand die Welt kurz still. Man spürt den Stolz eines solchen Dorfes durch den Bildschirm. Laut einem Bericht von Omrop Fryslân ist die Stimmung dort euphorisch. Das kenne ich aus der Tanzwelt: Wenn einer 'unserer' Tänzer einen Preis bei einem internationalen Kongress gewinnt, feiert die ganze Community mit. Es ist diese Verbundenheit, die Sport und Tanz so kraftvoll macht.

Die Kunst des Fallens und Aufstehens

Wenn wir über Tanzen auf dem Eis sprechen, kommen wir am Eiskunstlauf nicht vorbei. Was für ein Abend das war. Wir alle schauten auf Ilia Malinin, den amerikanischen 'Quad God'. Der Mann, der Dinge tut, die eigentlich physisch unmöglich erscheinen. Aber heute Abend sahen wir die menschliche Seite des Spitzensports. Malinin landete auf dem achten Platz. Kein Podium, kein Gold. Trotz seines spektakulären Rückwärtssaltos – ein Move, der das Publikum zwar von den Sitzen riss – reichte es nicht für die Jury.

Gold ging an den Kasachen Michail Schaidorow. Ein historischer Sieg, denn es war das erste Gold für Kasachstan bei den Winterspielen seit 1994. Schaidorow zeigte, dass Beständigkeit und Technik über reine Bravour siegen. Bei Miss Salsa hämmern wir auch immer darauf ein: Man kann die schillerndsten Spins machen, aber wenn die Basis nicht stimmt, bricht die ganze Routine zusammen. Schaidorow war 'unantastbar', wie die NOS es in ihrem Live-Blog treffend beschrieb.

Emotion als Motor: Die Geschichte von Maxim Naumov

Was mich persönlich am meisten berührte, war der Auftritt von Maxim Naumov. Der 24-jährige Amerikaner läuft mit einem Rucksack, der fast zu schwer zum Tragen ist. Er verlor seine Eltern letztes Jahr bei einem tragischen Flugzeugabsturz. Dass er jetzt dort steht, auf der höchsten Bühne, ist eine Lektion in Resilienz für jeden. Er erzählte, dass er an manchen Tagen nicht einmal aus dem Bett kommen konnte. Doch der Traum seiner Eltern, die selbst einen Eislaufclub leiteten, hielt ihn auf den Beinen.

Im Tanzstudio sehe ich das auch oft. Tänzer, die ihre Trauer, ihre Wut oder ihren Verlust in Bewegung umsetzen. Das Eis war für Naumov kein kalter Untergrund, sondern ein Ort der Heilung. Sein siebter Platz ist in diesem Licht viel mehr wert als jede Medaille. Es erinnert uns daran, dass wir nicht nur für Punkte tanzen oder Sport treiben, sondern für die Seele.

Die Schattenseite des 'militärischen' Trainings

Es gab auch Diskussionen um Nika Egadze, den georgischen Eiskunstläufer, der unter den Fittichen von Eteri Tutberidse trainiert. In der Tanzwelt kennen wir diesen Typ von Trainern auch: die 'Drillsergeants'. Tutberidse ist bekannt für ihren militärischen Ansatz. Obwohl es Ergebnisse liefert – Egadze machte einen enormen Sprung vom fünfzehnten Platz bis an die Spitze des Klassements in der Kür – wirft es Fragen über den Preis des Erfolgs auf. Als Tänzer muss man sich selbst pushen, absolut, aber es gibt einen schmalen Grat zwischen Disziplin und Erschöpfung. Die Kontroverse um ihre Methoden und frühere Dopingvorfälle bleibt ein Makel für den Sport, bei dem es eigentlich um Schönheit gehen sollte.

Was wir als Tänzer von der Eisbahn lernen

Sie fragen sich vielleicht: Was hat ein 10-Kilometer-Eisschnelllauf oder ein Skeleton-Lauf mit meinem Salsa-Abend zu tun? Eigentlich ziemlich viel. Schauen Sie sich Matt Weston an, den Briten, der Gold im Skeleton gewann. Er war früher Rugbyspieler und betrieb Taekwondo. Er wechselte erst vor acht Jahren zum Skeleton. Das zeigt, dass man nie zu alt ist, um eine neue körperliche Sprache zu lernen. Ob Sie nun 20 oder 50 sind, Ihr Körper kann sich an neue Rhythmen und Techniken anpassen.

Darüber hinaus gibt es den Fokus. Auf den 500 Metern, wo wir morgen dem Duell zwischen Jenning de Boo und Jordan Stolz entgegenblicken, kommt es auf Explosivität und Präzision an. Ein Fehltritt und es ist vorbei. In einem schnellen Mambo ist das nicht anders. Die Konzentration, die diese Athleten zeigen, ist genau der 'Flow', den wir auf der Tanzfläche suchen.

Konkret: Fokus auf deine eigene 'Kür'

Ob man nun den US-Eishockeyfrauen zusieht, die Italien überrumpelten, oder dem jungen Macklin Celebrini, der als Teenager unter den NHL-Größen Kanadas glänzt; es geht um Selbstvertrauen. Celebrini wohnt noch bei einer Gastfamilie, aber auf dem Eis ist er der Chef. Das ist eine Mentalität, mit der wir etwas anfangen können. Betreten Sie die Tanzfläche mit der Überzeugung, dass Sie dorthin gehören, ungeachtet Ihrer Erfahrung.

In den kommenden Tagen werden wir die Ereignisse in Mailand weiter verfolgen. Nicht nur wegen des Medaillenspiegels, sondern wegen der Inspiration. Die Art und Weise, wie diese Athleten ihren Körper beherrschen, mit enormem Druck umgehen und ihre Emotionen in Leistungen übersetzen, ist die reinste Form von Kunst, die es gibt. Und ob das nun auf Kufen oder in Tanzschuhen ist, die Leidenschaft bleibt dieselbe.

Zurück zum Blog

Hinterlasse einen Kommentar